Ein Kirschbaum lässt sich im Sommer schneiden, besonders bei Süßkirschen oft direkt nach der Ernte. Der wichtigste Vorteil: Die Schnittwunden bleiben in der warmen, trockenen Jahreszeit meist nicht so lange feucht wie im Winter, und das Wachstum lässt sich besser bremsen. Entscheidend sind jedoch das Alter des Baums, die Kirschsorte, der Erntezeitpunkt und der Umfang des Schnitts.
Entferne im Sommer vor allem abgestorbene, kranke, beschädigte oder ungünstig wachsende Zweige. Größere Eingriffe sollten vorsichtig erfolgen, denn starke Schnitte können einen kräftigen Austrieb auslösen und den Baum schwächen.
Nach der Ernte ist der passende Moment
Bei einem ausgewachsenen Süßkirschbaum liegt der günstigste Schnittzeitpunkt häufig unmittelbar nach der Ernte. Dann kannst du die Krone auslichten, ohne die Blüten- und Fruchtbildung des laufenden Jahres zu gefährden. Außerdem erkennst du besser, welche Äste durch Früchte stark belastet waren oder sich ungünstig entwickelt haben.
Ein Schnitt im Hochsommer ist nicht an einen festen Kalendertag gebunden. Orientiere dich an der Reife deiner Sorte und wähle einen trockenen, nicht übermäßig heißen Tag. Bei anhaltender Hitze oder starker Sonneneinstrahlung solltest du größere Schnittarbeiten verschieben, weil frische Wunden und freigelegte Stamm- oder Astpartien empfindlich reagieren können.
Bei Sauerkirschen hängt der richtige Zeitpunkt stärker von der jeweiligen Wuchsform ab. Einige Sorten bilden Früchte vor allem an einjährigen Trieben. Werden diese falsch gekürzt, kann der Ertrag im nächsten Jahr sinken. Deshalb solltest du vor dem Schnitt prüfen, an welchen Trieben der Baum seine Blüten und Kirschen ansetzt.
Welche Äste im Sommer entfernt werden
Der Sommerschnitt dient in erster Linie dazu, Licht und Luft in die Krone zu bringen und die Baumform zu erhalten. Schneide nicht wahllos, sondern beobachte zunächst die Verteilung der Äste. Eine gut aufgebaute Krone wirkt nicht leer, aber einzelne Zweige sollten sich möglichst wenig kreuzen oder gegenseitig beschatten.
- Entferne abgestorbene Äste bis ins gesunde Holz.
- Schneide kranke oder deutlich beschädigte Triebe vollständig zurück und säubere das Werkzeug danach.
- Nimm Zweige heraus, die sich reiben, kreuzen oder nach innen in die Krone wachsen.
- Entferne steil aufrecht wachsende Wasserschosser, wenn sie die Krone verdichten.
- Kürze lange, ungünstig herausragende Triebe auf einen passenden Seitentrieb zurück.
Wasserschosser sind besonders kräftige, meist senkrechte Triebe, die häufig aus älterem Holz oder nahe einer Schnittstelle entstehen. Junge Triebe lassen sich oft ausreißen, solange sie weich und noch nicht stark verholzt sind. Bei kräftigen Ästen ist ein sauberer Schnitt besser, damit keine Rinde abgerissen wird.
So gehst du beim Schneiden vor
Bereite eine scharfe, saubere Gartenschere, eine Astschere und bei Bedarf eine standsichere Leiter vor. Das Werkzeug sollte so scharf sein, dass es Äste glatt durchtrennt. Quetschungen und ausgefranste Wundränder trocknen schlechter und erschweren dem Baum die Abschottung.
- Sieh dir die Krone aus etwas Abstand an und lege fest, welche Äste tatsächlich entfernt werden müssen.
- Beginne mit abgestorbenem, krankem oder beschädigtem Holz.
- Arbeite dich anschließend zu kreuzenden und nach innen wachsenden Zweigen vor.
- Entferne starke Konkurrenztriebe nur mit Bedacht, damit die Krone nicht plötzlich aus dem Gleichgewicht gerät.
- Prüfe nach jedem größeren Schnitt die Form, bevor du weitere Äste abschneidest.
Schneide größere Seitenäste knapp außerhalb des Astringes, also des leicht verdickten Übergangs am Astansatz. Der Astring sollte erhalten bleiben, weil dort wichtige Abwehr- und Überwallungsprozesse stattfinden. Einen langen Aststummel solltest du ebenso vermeiden wie einen Schnitt, der tief in den Stamm oder den tragenden Ast hineinreicht.
Bei einem dicken Ast verhindert die Drei-Schnitt-Methode, dass die Rinde beim Abbrechen einreißt. Zuerst setzt du von unten einen kurzen Entlastungsschnitt, danach von oben einige Zentimeter weiter außen den eigentlichen Trennschnitt. Zum Schluss entfernst du den verbleibenden Stummel sauber am Astansatz.
Starker Rückschnitt kann neue Probleme schaffen
Kirschbäume reagieren auf kräftige Rückschnitte häufig mit zahlreichen neuen Langtrieben. Diese wachsen steil nach oben, verdichten die Krone und tragen zunächst wenig. Ein Baum, der über Jahre nicht geschnitten wurde, sollte deshalb nicht an einem einzigen Sommertag radikal verkleinert werden.
Teile umfangreiche Korrekturen besser auf mehrere Schnitttermine auf. So bleibt die Blattmasse ausreichend groß, und der Baum kann weiterhin Energie bilden. Besonders bei alten oder geschwächten Bäumen ist Zurückhaltung wichtig. Große Wunden können schlecht überwallern und bieten bei ungünstiger Witterung Eintrittsstellen für Holzkrankheiten.
Auch ein junger Kirschbaum braucht nicht automatisch einen starken Sommerschnitt. In der Erziehungsphase steht der Aufbau einer stabilen Krone im Vordergrund. Konkurrenztriebe, zu steile Äste und ungünstig platzierte Triebe lassen sich früh korrigieren. Tragende Leitäste solltest du jedoch nicht ohne Kenntnis der gewünschten Baumform stark einkürzen.
Wetter, Schnittgut und Wundpflege
Wähle einen trockenen Tag mit moderaten Temperaturen. Nasses Holz und feuchte Schnittflächen trocknen langsamer. Bei großer Hitze kann die Rinde an plötzlich freigestellten Ästen oder am Stamm durch Sonne geschädigt werden. Nach dem Auslichten lohnt sich daher ein Blick auf die bisher beschatteten Partien.
Das entfernte Holz solltest du aus dem Garten bringen, wenn es krank oder von Schädlingen befallen ist. Gesundes, dünnes Schnittgut kann zerkleinert kompostiert werden, sofern es keine Samen oder problematischen Pflanzenkrankheiten verbreitet. Größere Äste eignen sich je nach Zustand als Häckselmaterial oder Brennholz.
Wundverschlussmittel sind bei normalen Schnittstellen nicht grundsätzlich erforderlich. Wichtiger sind glatte Schnitte, der Erhalt des Astrings und ein geeigneter Zeitpunkt. Sehr große Wunden an älteren Bäumen solltest du nicht selbst umfangreich behandeln, sondern von einer fachkundigen Person beurteilen lassen.
Besonderheiten bei Süß- und Sauerkirschen
Süßkirschen entwickeln häufig eine große, kräftige Krone und werden deshalb nach der Ernte gern ausgelichtet. Ziel ist eine lockere Struktur, in der Blätter und Früchte ausreichend Licht erhalten. Bei sehr hohen Bäumen darfst du die erreichbare Höhe nur schrittweise reduzieren, damit keine starken Reaktionen entstehen.
Sauerkirschen wachsen je nach Sorte und Unterlage anders. Bei Sorten, die vor allem an einjährigen Trieben fruchten, ist ein zu starker Rückschnitt besonders riskant. Entferne daher nicht pauschal alle langen jungen Zweige. Beobachte, wo sich im Vorjahr Blüten und Früchte gebildet haben, und erhalte gut platzierte Fruchtholzbereiche.
Wenn die Sorte unbekannt ist, beschränke dich zunächst auf abgestorbene, beschädigte und störende Äste. Ein zurückhaltender Auslichtungsschnitt liefert wichtige Informationen über den Wuchs des Baums, ohne den kommenden Ertrag unnötig zu gefährden.
Woran du einen gelungenen Schnitt erkennst
Nach dem Schnitt sollte die Krone gleichmäßig und nicht einseitig leer wirken. Durch die Äste sollten einzelne Lichtfenster sichtbar sein, während ausreichend Blätter für die Versorgung des Baums erhalten bleiben. Die Schnittflächen sollten glatt sein und keine langen Stummel oder ausgefransten Ränder zeigen.
In den folgenden Wochen beobachtest du, ob viele neue Wasserschosser entstehen, ob Blätter welken oder ob sich die Schnittstellen auffällig verfärben. Einzelne neue Triebe sind normal. Ein sehr dichter Austrieb deutet dagegen auf einen zu starken Eingriff oder eine bereits stark wachsende Krone hin.
Der beste Sommerschnitt ist deshalb nicht der umfangreichste. Er verbessert die Belichtung, entfernt eindeutig störendes Holz und lässt dem Kirschbaum genug Blattmasse für die weitere Versorgung. Bei Unsicherheit über große Äste, Krankheiten oder die Sorteneigenschaften ist fachlicher Rat sinnvoll.
Häufige Fragen zum Sommerschnitt beim Kirschbaum
Kann ich einen Kirschbaum auch vor der Ernte im Sommer schneiden?
Ein kleiner Korrekturschnitt ist möglich, wenn einzelne beschädigte oder abgestorbene Zweige entfernt werden müssen. Größere Eingriffe verschiebst du bei einem fruchttragenden Baum jedoch besser bis nach der Ernte, damit du die laufende Fruchtbildung und die Beurteilung der Krone nicht unnötig beeinträchtigst.
Wie viel darf ich beim Sommerschnitt von einem Kirschbaum entfernen?
Entferne nur so viel Holz, wie für eine lockere, gut belichtete Krone tatsächlich nötig ist. Wenn mehr als einzelne störende Äste oder Triebe korrigiert werden müssten, solltest du den Eingriff auf mehrere Termine verteilen, weil ein starker Rückschnitt viele steile Neutriebe auslösen kann.
Darf ich einen Kirschbaum bei großer Hitze schneiden?
Bei anhaltender Hitze und intensiver Sonneneinstrahlung solltest du größere Schnittarbeiten verschieben. Frische Wunden und zuvor beschattete Rindenpartien können dann stärker austrocknen oder einen Sonnenbrand entwickeln; ein trockener Tag mit moderaten Temperaturen ist günstiger.
Was mache ich, wenn mein Kirschbaum nach dem Sommerschnitt viele Wasserschosser bildet?
Einzelne neue Wasserschosser sind nicht ungewöhnlich und können im nächsten Sommerschnitt beurteilt werden. Entsteht ein sehr dichter Austrieb, war der Eingriff wahrscheinlich zu stark oder die Krone bereits sehr wüchsig; entferne dann nicht sofort wahllos alle Triebe, sondern reduziere die Verdichtung schrittweise.
Soll ich junge Kirschbäume im Sommer anders schneiden als alte Bäume?
Bei jungen Bäumen steht der Aufbau einer stabilen Krone im Vordergrund, weshalb du vor allem Konkurrenztriebe und ungünstig platzierte Äste korrigierst. Alte oder lange nicht geschnittene Kirschbäume reagieren empfindlicher auf große Wunden und sollten deshalb nicht an einem einzigen Termin stark verkleinert werden.
Was ist beim Sommerschnitt einer unbekannten Kirschsorte zu beachten?
Wenn du nicht weißt, ob es sich um eine Süß- oder Sauerkirsche handelt, beschränke dich zunächst auf eindeutig totes, beschädigtes, krankes oder störendes Holz. So vermeidest du, versehentlich Fruchtholz zu entfernen, das bei manchen Sauerkirschsorten für den nächsten Ertrag wichtig ist.
Wann sollte ein Fachbetrieb den Kirschbaum schneiden?
Fachliche Hilfe ist sinnvoll, wenn große Äste entfernt werden müssen, der Baum sehr hoch ist oder du eine standsichere Leiter nicht sicher einsetzen kannst. Auch bei umfangreichen Altbaumschnitten, auffälligen Holzverfärbungen oder Verdacht auf eine Krankheit lässt du den Baum besser beurteilen, bevor weitere Schnitte erfolgen.
Muss ich die Schnittstellen am Kirschbaum im Sommer verstreichen?
Bei normalen, sauber ausgeführten Schnittstellen ist ein Wundverschlussmittel meist nicht erforderlich. Entscheidend sind ein scharfes Werkzeug, glatte Schnitte und der Erhalt des Astrings; sehr große Wunden an älteren Bäumen sollten fachkundig beurteilt werden, statt sie pauschal mit einem Mittel zu behandeln.