Bei Clematis entscheidet die Schnittgruppe darüber, wie stark du kürzt und wann der richtige Zeitpunkt dafür ist. Wer die Triebe zur passenden Zeit zurücknimmt, bekommt meist mehr Blüten, einen besseren Wuchs und weniger Chaos im Frühling.
Die gute Nachricht: Man muss dafür keine komplizierte Botanik lernen. Es reicht, die Clematis richtig einzuordnen und dann den Schnitt an ihrer Blühweise auszurichten.
Warum die Schnittgruppe bei Clematis so wichtig ist
Clematis blühen je nach Art und Sorte an unterschiedlichem Holz. Manche bilden ihre Blüten an jungen Trieben, andere an vorjährigem Holz, wieder andere zweimal im Jahr auf beiden Holzarten. Genau daraus ergibt sich, wie vorsichtig oder mutig du schneiden darfst.
Das Missverständnis in vielen Gärten ist schnell passiert: Ein kräftiger Rückschnitt wird für alle Clematis empfohlen oder aus Gewohnheit jedes Jahr gleich durchgeführt. Bei einer Sorte, die schon früh am alten Holz Knospen angelegt hat, kostet das die ganze Blüte. Bei einer stark wachsenden Sorte, die ohne Schnitt verkahlt, führt zu sanftes Vorgehen dagegen zu einem langen, blütenarmen Gestrüpp.
Darum ist der erste Schritt immer derselbe: Erst die Blühform erkennen, dann den Schnitt festlegen. Wenn du das einmal sauber sortiert hast, wird aus dem jährlichen Rätselraten eine einfache Routine.
Die drei Schnittgruppen im Überblick
Garten-Clematis lassen sich grob in drei Schnittgruppen einteilen. Diese Einteilung hilft dir, den richtigen Zeitpunkt und die passende Schnittstärke zu finden. Die Gruppen sind kein Selbstzweck, sondern eine praktische Abkürzung für die Frage: Welche Triebe tragen die Blütenknospen?
- Schnittgruppe 1: kaum schneiden, nur nach Bedarf auslichten.
- Schnittgruppe 2: leicht zurücknehmen und nach der ersten Blüte behutsam korrigieren.
- Schnittgruppe 3: kräftig im Spätwinter oder sehr frühen Frühjahr zurückschneiden.
Wichtig ist dabei, dass sich die Gruppen am Wuchs und an der Blüte orientieren, nicht an der Laune der Schere. Wer die Pflanzen danach behandelt, spart später viel Korrekturarbeit.
So erkennst du, an welchem Holz deine Clematis blüht
Die Blüte an altem Holz bedeutet: Die Knospen für die nächste Blüte wurden schon im Vorjahr angelegt. Solche Pflanzen reagieren empfindlich auf starken Rückschnitt, weil du mit jedem abgeschnittenen Trieb auch einen Teil der kommenden Blüten entfernst.
Die Blüte an jungem Holz bedeutet: Die Pflanze treibt im Frühjahr neu durch und bildet ihre Knospen an diesen frischen Trieben. Diese Clematis vertragen einen kräftigen Rückschnitt deutlich besser und danken ihn oft mit dichtem Neuaustrieb und vielen Blüten.
Es gibt außerdem die öfter blühenden Sorten, die beides können. Sie legen im Frühjahr Blüten an älteren Trieben an und schieben später im Jahr auf neuen Trieben noch einmal nach. Diese Pflanzen brauchen meist einen Mischschnitt, damit sie weder zu sparsam noch zu streng behandelt werden.
Schnittgruppe 1: nur behutsam eingreifen
Zur ersten Gruppe gehören viele früh blühende Clematis, etwa einige Montana- oder Alpina-Typen. Sie blühen häufig sehr früh im Jahr und nutzen dafür das Holz aus der vergangenen Saison. Wer hier zu beherzt zur Schere greift, entfernt schnell den größten Teil der Blütenanlage.
Bei dieser Gruppe schneidest du meist nur aus, was störend, abgestorben, krank oder verdreht ist. Lange Ranken kannst du nach der Blüte leicht in Form bringen, aber starke Eingriffe sind meistens unnötig. Alte, schwache oder kahle Partien lassen sich vorsichtig auslichten, damit mehr Licht und Luft ins Innere kommen.
Der richtige Zeitpunkt ist meist direkt nach der Blüte oder nur dann im späten Winter, wenn beschädigte Triebe auffallen. Wer zu früh schneidet, nimmt der Pflanze die frühe Saisonshow. Wer zu spät schneidet, stört oft die Anlage der nächsten Blüte.
Schnittgruppe 2: leicht zurücknehmen und nachblühen lassen
Die zweite Gruppe ist für viele Gartenfreunde die angenehmste, weil sie einen Mittelweg erlaubt. Diese Clematis blühen oft auf altem Holz im Frühjahr oder Frühsommer und legen später mit einem zweiten Flor nach. Ein maßvoller Schnitt sorgt hier für Form, Vitalität und eine gleichmäßige Verteilung der Blüten.
Im späten Winter entfernst du zunächst abgestorbene, schwache oder beschädigte Triebe. Danach kürzt du die übrigen Ranken meist nur moderat ein. Ziel ist nicht, die Pflanze klein zu machen, sondern sie zu ordnen und die Verzweigung anzuregen.
Nach der ersten Blüte kannst du lange Triebe erneut etwas zurücknehmen. Das fördert frischen Austrieb und kann den zweiten Flor verbessern. Bei älteren Exemplaren lohnt sich außerdem das gelegentliche Auslichten einzelner Triebe direkt an der Basis, damit die Pflanze nicht von innen heraus verkahlt.
Praxisnah lässt sich die Reihenfolge so merken: erst alles Trockene und Offensichtliche weg, dann die Länge anpassen, dann beobachten, wo die Pflanze im Sommer noch einmal nachsetzt. So bleibt der Wuchs harmonisch, ohne die Blühfreude zu bremsen.
Schnittgruppe 3: kräftig zurückschneiden
Zur dritten Gruppe gehören viele spät blühende Clematis, die an diesjährigen Trieben blühen. Diese Pflanzen vertragen einen deutlichen Rückschnitt sehr gut. Ohne regelmäßiges Kürzen werden sie oft unten kahl, blühen höher und verlieren ihre schöne, dichte Form.
Der Schnitt erfolgt meist im Spätwinter oder sehr frühen Frühjahr, bevor der kräftige Neuaustrieb voll beginnt. Du lässt dabei je nach Sorte und Zustand der Pflanze nur ein kurzes Gerüst stehen. Das klingt drastisch, ist für diese Gruppe aber genau richtig.
Solch ein Rückschnitt hat mehrere Vorteile: Die Pflanze bleibt kompakter, junge Triebe wachsen vital nach und die Blüten sitzen später besser verteilt. Außerdem lässt sich die Clematis leichter an Rankhilfen führen, weil das alte, vergreiste Holz reduziert wird.
Wenn eine kräftig wachsende Clematis nur noch oben dicht ist und unten leer wirkt, ist die dritte Gruppe oft der richtige Denkansatz. Dann hilft zu zaghaftes Schneiden meist weniger als ein klarer Schnitt mit sauberem Neuaustrieb.
Typische Fehler beim Schneiden
Ein häufiger Fehler ist, eine Clematis nur nach ihrem Aussehen zu behandeln. Eine lange, wilde Ranke sieht zwar nach radikalem Schnitt aus, gehört aber vielleicht zu einer Sorte, die auf altem Holz blüht. Dann ist Vorsicht besser als Aktionismus.
Ebenso oft wird die Pflanze zu hoch angeschnitten, obwohl der Schnitt eigentlich tiefer ansetzen sollte. Das führt dazu, dass ältere, schwächere Partien bestehen bleiben und die Krone oben weiter überlastet wird. Besser ist es, gezielt bis in gesundes, kräftiges Holz zu arbeiten.
Ein weiterer Fehler ist das Schneiden zur falschen Jahreszeit. Bei frühen Blühern kann ein vermeintlich pflegeleichter Winterschnitt die Knospen für die Saison entfernen. Bei spät blühenden Sorten führt ein zu zurückhaltender Schnitt oft zu wenig Blüten und einem unruhigen Wuchs.
Auch die Werkzeuge werden gern unterschätzt. Eine scharfe, saubere Schere macht glatte Schnitte und verringert die Gefahr, dass Triebe ausfransen oder Schaden nehmen. Gerade bei älteren Clematis lohnt sich ein sauberer Schnitt, weil die Ranken holziger und empfindlicher werden.
Woran du im Garten schnell eine Richtung erkennst
Die Blütezeit ist ein sehr hilfreicher Hinweis. Frühjahrsblüher gehören häufig eher in die erste Gruppe, Sommerblüher oft eher in die dritte Gruppe und mehrfach blühende Sorten meist in die zweite. Das ist kein starres Gesetz, aber ein guter Anhaltspunkt, wenn das Etikett fehlt.
Auch der Wuchs sagt einiges aus. Kletternde Sorten mit langen, teils rasch vergreisenden Trieben profitieren oft von stärkerem Rückschnitt. Zierliche Sorten, die schon sehr früh und reich blühen, brauchen meist nur wenig Eingriff.
Wenn die Pflanze seit Jahren nur im oberen Bereich dicht ist und unten wenig Laub trägt, spricht das für zu wenig Schnitt oder für eine Sorte, die eine klarere Erneuerung braucht. Wenn sie dagegen nach einem starken Rückschnitt im Frühjahr nur spärlich blüht, war der Eingriff wahrscheinlich zu hart für ihre Gruppe.
Ein sinnvoller Ablauf am Schneidetag
Zuerst schaust du dir die Pflanze in Ruhe an und suchst nach abgestorbenen, braunen oder verletzten Trieben. Danach prüfst du, ob die Clematis eher früh, mittelfrüh oder spät blüht. Erst dann entscheidest du, ob du nur leicht auslichtest oder stärker kürzt.
Im nächsten Schritt entfernst du alles, was eindeutig keine Zukunft mehr hat. Anschließend bringst du die verbleibenden Triebe in Form und achtest darauf, dass die Pflanze an der Rankhilfe gut verteilt bleibt. Zum Schluss kontrollierst du, ob sich noch zu dichtes oder kreuzendes Holz im Inneren versteckt.
Diese Reihenfolge wirkt schlicht, verhindert aber viele Fehler. Wer zuerst blind kürzt und erst danach überlegt, was die Pflanze eigentlich braucht, schneidet sich schnell selbst in die Blüte.
So wirken sich Standort und Alter auf den Schnitt aus
Eine junge Clematis darf oft noch wachsen und sich an der Rankhilfe etablieren. Hier geht es zunächst weniger um Formperfektion als um stabile Leittriebe und eine gute Verzweigung. Zu frühes Striegeln mit der Schere bringt in dieser Phase selten Vorteile.
Ältere Pflanzen brauchen dagegen öfter eine Erneuerung. Mit den Jahren verholzen die unteren Bereiche, und die Blühkraft wandert nach oben. Dann hilft ein gezielter Rückschnitt oder ein schrittweises Auslichten über mehrere Jahre, damit die Pflanze wieder von unten her dichter wird.
Am sonnigen, warmen Standort wachsen Clematis oft kräftiger und reagieren schneller auf Schnittmaßnahmen. Im Halbschatten bleiben sie meist etwas zögerlicher, was beim Kürzen berücksichtigt werden sollte. Dort ist es besonders wichtig, das Gleichgewicht zwischen Erhaltung und Erneuerung zu finden.
Was du bei unsicheren Sorten tun kannst
Manchmal ist die Sorte nicht mehr bekannt, das Etikett fehlt oder die Pflanze wurde beim Einzug im Garten einfach übernommen. Dann hilft Beobachtung mehr als Raten. Schau dir an, wann sie blüht, wie alt die Triebe wirken und ob neue Ranken aus der Basis nachkommen.
Bei Unsicherheit ist ein vorsichtiger Einstieg meist vernünftiger als ein radikaler Eingriff. Kürze zunächst nur das Offensichtliche: Abgestorbenes, beschädigtes und störendes Holz. Beobachte anschließend eine Saison lang, wie die Pflanze reagiert. Aus der Kombination aus Blühzeit und Neuaustrieb lässt sich die Gruppe oft gut ableiten.
Wenn du zwischen zwei Gruppen schwankst, ist Zurückhaltung meist der sicherere Weg. Eine Clematis, die etwas zu wenig geschnitten wird, verzeiht das häufiger als eine, die versehentlich ihre Knospen verliert.
Wichtige Punkte für gesunde Triebe
- Immer mit sauberem, scharfem Werkzeug arbeiten.
- Kranke oder abgestorbene Triebe sofort entfernen.
- Die Blühzeit als Hinweis auf die Schnittgruppe nutzen.
- Junge Pflanzen eher sanft führen als streng kürzen.
- Ältere, vergreiste Pflanzen schrittweise verjüngen.
Diese Punkte halten die Pflege übersichtlich. Gerade bei Clematis ist weniger die Kraft des Schnitts entscheidend als die Passung zur Sorte.
Wann ein stärkerer Rückschnitt sinnvoll wird
Ein starker Schnitt ist besonders dann hilfreich, wenn eine spät blühende Clematis unten kahl geworden ist, zu lang auseinanderfällt oder kaum neue Seitentriebe bildet. Dann braucht die Pflanze einen Neustart, damit sie wieder kompakt und blühfreudig wächst.
Auch nach Frostschäden kann ein kräftiger Schnitt nötig sein. Erfrierende Triebe werden besser bis ins gesunde Holz zurückgenommen, statt halb beschädigt stehen zu bleiben. Das spart der Pflanze Kraft und fördert einen klaren Neuaustrieb.
Wenn die Pflanze am Ende des Winters nur noch ein unübersichtliches Geflecht ist, lohnt sich oft ein beherzter, sauberer Rückschnitt mehr als ein zögerliches Herumdoktern. Für die passenden Gruppen ist das eine Entlastung, kein Risiko.
Für Gartenfreunde ist die Faustregel einfach: Die Blüte verrät die Schnittgruppe, die Schnittgruppe verrät den Eingriff, und der Zustand der Pflanze sagt dir, wie vorsichtig du arbeiten solltest. Wer diese drei Dinge zusammen betrachtet, schneidet deutlich sicherer und bekommt auf Dauer die schönere Clematis.
Frische Triebe, alte Ruten und der richtige Blick auf die Pflanze
Wer Clematis sicher schneiden möchte, sollte zuerst den Aufbau der Pflanze lesen lernen. Entscheidend sind nicht nur die Blüten, sondern auch die Frage, wo die neuen Knospen sitzen und wie weit die einzelnen Ruten bereits verholzt sind. Junge, flexible Triebe reagieren anders auf einen Schnitt als kräftige, ältere Partien. Genau deshalb lohnt es sich, vor dem ersten Schnitt kurz innezuhalten und die Pflanze von unten bis oben zu betrachten.
Ein sauberer Schnitt beginnt oft mit dem Entfernen von allem, was die Pflanze unnötig schwächt oder unruhig wirken lässt. Dazu zählen abgestorbene Spitzen, dünne, schwache Triebe und alles, was sich im Inneren kreuzt. So bekommt die Clematis mehr Licht und Luft, und die verbleibenden Ruten können ihre Energie besser auf Blüten und gesundes Wachstum richten.
Worauf du beim ersten Kontrollgang achtest
- Sind die Triebe noch biegsam oder bereits stark verholzt?
- Gibt es vertrocknete Spitzen, Frostschäden oder Bruchstellen?
- Wachsen mehrere Ruten aus demselben Bereich und drücken sich gegenseitig?
- Hängen alte Blütenreste oder verblühte Abschnitte noch an der Pflanze?
Der passende Zeitpunkt im Gartenjahr
Nicht nur die Schnittgruppe bestimmt den Umgang mit der Clematis, sondern auch der Zeitpunkt im Jahr. Ein Schnitt im späten Winter oder sehr frühen Frühjahr ist für viele Sorten sinnvoll, weil sich dann die Struktur gut erkennen lässt und die Pflanze kurz vor dem Austrieb steht. Bei früh blühenden Arten liegt der Schwerpunkt dagegen eher auf Zurückhaltung, damit die Blütenanlagen des Vorjahres erhalten bleiben.
Im Sommer geht es vor allem um Pflege und Ordnung. Verblühte Abschnitte dürfen bei manchen Sorten leicht zurückgenommen werden, damit weitere Blüten nachkommen. Im Herbst sollte der Schnitt meist eher vorsichtig ausfallen, damit frische, weiche Triebe nicht vor dem Frost zum falschen Zeitpunkt angeregt werden.
So orientierst du dich am Kalender
- Im späten Winter prüfst du Frostschäden und bringst die Pflanze in Form.
- Im Frühjahr erkennst du besonders gut, welche Augen bereits anschwellen.
- Im Sommer entfernst du Verblühtes und ordnest zu lange, störende Triebe.
- Im Herbst bleibt der Schnitt leicht, damit die Pflanze stabil in die kalte Jahreszeit geht.
Mehr Blüten durch saubere Schnittführung
Ein guter Schnitt wirkt nicht nur ordnend, sondern beeinflusst auch die Blütenfülle. Werden ältere, schwache Partien rechtzeitig ausgelichtet, lenkt die Clematis ihre Kraft in kräftige Neutriebe. Das ist besonders bei stark wachsenden Sorten wichtig, weil sie sonst viel Blattmasse aufbauen und unten kahl werden können. Ein regelmäßiger, passender Schnitt hält die Pflanze kompakt und fördert einen gleichmäßigen Aufbau über mehrere Jahre.
Ebenso hilfreich ist es, die Triebe nicht irgendwo zu zerfasern, sondern immer sauber knapp über einem gesunden Auge zu schneiden. So verheilt die Schnittstelle besser, und der neue Austrieb startet an einer günstigen Stelle. Ein schräger, glatter Schnitt hilft zusätzlich, dass Wasser nicht auf der Wunde stehen bleibt.
Worauf eine gute Schnittstelle hinausläuft
- sauberes, scharfes Werkzeug ohne Quetschungen
- Schnitt knapp über einem kräftigen Auge
- kein unnötig langer Stummel
- keine beschädigten, ausgefransten Enden
Aufbauhilfe für junge und ältere Pflanzen
Junge Clematis profitieren in den ersten Jahren oft von einem vorsichtigen Aufbau. Hier geht es weniger um maximale Blütenmenge als um eine stabile Struktur mit wenigen, starken Leitästen. Wer früh zu viele Triebe entfernt, verzögert unter Umständen die Entwicklung; wer gar nicht eingreift, erhält schnell ein ungleichmäßiges Durcheinander. Ein ausgewogenes Vorgehen sorgt dafür, dass sich die Pflanze gut am Rankgerüst verteilt.
Ältere Exemplare dürfen dagegen gelegentlich verjüngt werden, besonders wenn die Blüte nachlässt oder die Pflanze von unten verkahlt. Dann lohnt es sich, einzelne alte Ruten nach und nach herauszunehmen, statt alles auf einmal zu kürzen. So bleibt genug Substanz erhalten, während gleichzeitig neuer Wuchs angeregt wird. Bei robusten Sorten kann das über zwei bis drei Jahre hinweg sehr gute Ergebnisse bringen.
Praktische Reihenfolge beim Aufbau und bei der Verjüngung
- erst tote und sehr schwache Triebe entfernen
- dann die kräftigsten Ruten als Gerüst stehen lassen
- zu dicht stehende Partien auslichten
- bei älteren Pflanzen jedes Jahr nur einen Teil der alten Ruten entnehmen
Hilfreiche Pflege nach dem Schnitt
Nach dem Schneiden braucht die Clematis keine aufwendige Behandlung, aber ein guter Start in die neue Phase macht sich schnell bemerkbar. Eine gleichmäßige Wasserversorgung ist wichtig, besonders wenn der Boden sonnig und durchlässig ist. Gleichzeitig sollte der Wurzelbereich geschützt bleiben, etwa durch Mulch, niedrige Begleitpflanzen oder eine leichte Beschattung am Fuß. Das hält den Boden feuchter und entlastet die Pflanze in der Anwachs- und Austriebszeit.
Auch die Nährstoffgabe sollte bedacht erfolgen. Ein moderat dosierter Dünger im Frühjahr unterstützt den Neuaustrieb, ohne die Pflanze zu weich zu treiben. Zu viel Stickstoff führt dagegen leicht zu langen, instabilen Ranken mit weniger Blütenansatz. Wer auf ein ausgewogenes Verhältnis achtet, stärkt Wuchs, Blüte und Widerstandskraft zugleich.
Gute Begleitung nach dem Rückschnitt
- gleichmäßig feucht halten, aber keine Staunässe erzeugen
- den Wurzelbereich schattig und kühl halten
- maßvoll düngen statt übermäßig zu versorgen
- Rankhilfen früh prüfen, damit neue Triebe sofort Halt finden
Fragen und Antworten
Wie finde ich heraus, zu welcher Schnittgruppe meine Clematis gehört?
Am sichersten ist der Blick auf das Etikett oder die Sortenbeschreibung, denn dort steht die Schnittgruppe meist direkt dabei. Fehlt diese Angabe, hilft der Blühzeitpunkt oft weiter: Frühjahrsblüher gehören meist zu einer anderen Gruppe als Sorten, die erst im Sommer oder Spätsommer ansetzen.
Was mache ich, wenn die Sorte unbekannt ist?
Dann ist ein vorsichtiger Einstieg sinnvoll. Im ersten Jahr schneidest du nur sparsam und beobachtest, wann und an welchen Trieben die Pflanze blüht. So lässt sich die Clematis im nächsten Frühjahr besser einordnen.
Wie stark darf ich junge Pflanzen zurücknehmen?
Junge Clematis profitieren oft von einem leichten Formschnitt, damit sie sich gut verzweigen. Zu starke Eingriffe bremsen den Aufbau der Pflanze eher aus. In den ersten Jahren zählt vor allem ein gleichmäßiger, gesunder Wuchs.
Sollte ich nach der Blüte noch einmal zur Schere greifen?
Bei einigen Sorten lohnt sich ein Zurücknehmen verblühter Triebe, damit neue Knospen nachschieben. Das gilt besonders für Gruppen, die am diesjährigen Austrieb erneut blühen. Der Schnitt fällt dabei deutlich zurückhaltender aus als der Hauptschnitt im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr.
Kann ich eine stark vergreiste Clematis verjüngen?
Ja, viele ältere Pflanzen lassen sich mit einem kräftigeren Rückschnitt neu aufbauen. Das gelingt am besten an robusten Sorten und in einer Saison, in der die Pflanze genug Kraft für neue Triebe hat. Danach ist etwas Geduld nötig, bis sich wieder ein voller Blütenansatz bildet.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Schnitt?
Der Zeitpunkt richtet sich nach der Schnittgruppe und damit nach dem Blühverhalten. Manche Clematis werden direkt nach der Blüte gepflegt, andere erst im späten Winter oder frühen Frühjahr. Wer den Rhythmus der eigenen Sorte kennt, schneidet sicherer und erhält mehr Blüten.
Welche Werkzeuge sind für den Schnitt sinnvoll?
Eine saubere, scharfe Gartenschere reicht für die meisten Arbeiten aus. Bei älteren, dickeren Trieben kann eine kräftigere Schere helfen. Wichtig ist, dass die Schnittflächen glatt bleiben und die Triebe nicht gequetscht werden.
Wie weit sollte ich über einem Auge schneiden?
Ein sauberer Schnitt knapp über einem gut sichtbaren Auge oder einer Knospe ist meist ideal. So treibt die Clematis geordnet aus und verzweigt sich in der gewünschten Richtung. Ein kleiner Abstand schützt die Knospe vor dem Austrocknen.
Was tun, wenn nach dem Schnitt wenig Austrieb kommt?
Dann lohnt sich ein Blick auf Standort, Wasserversorgung und Nährstoffangebot. Clematis reagieren spürbar auf lockeren Boden, gleichmäßige Feuchte und ausreichend Licht am Kopf bei kühlem Wurzelbereich. Auch ein zu tiefer oder falsch getimter Schnitt kann den Austrieb verzögern.
Muss jede Clematis jedes Jahr geschnitten werden?
Nicht jede Pflanze braucht den gleichen Eingriff, aber ein regelmäßiger Blick hilft in jedem Jahr. Manche Sorten werden nur ausgedünnt oder leicht eingekürzt, andere erhalten einen deutlichen Rückschnitt. Entscheidend ist, die Pflanze nicht nach starrem Muster, sondern passend zu ihrer Gruppe zu behandeln.
Fazit
Wer die Clematis nach ihrer Schnittgruppe behandelt, spart sich viel Rätselraten und bekommt auf Dauer die besseren Blüten. Mit einem passenden Schnittzeitpunkt, einem sauberen Werkzeug und etwas Beobachtung entwickelt sich die Pflanze gesund und blühfreudig. So wird aus einer scheinbar komplizierten Kletterpflanze ein verlässlicher Blickfang im Garten.